Gemeinschaftspraxis
Dr. med. Wiltrud Bauer & Dr. med. Herbert Bauer

Allgemeinmedizin und Innere Medizin

 

Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis ist eine entzündliche Erkrankung des Gehirns bzw. der Hirnhäute, die durch das FSME-Virus ausgelöst wird. Dieser Erreger wird durch Zecken übertragen. Die Durchseuchung der Zecken mit dem FSME-Virus ist regional sehr unterschiedlich - und somit auch das jeweilige Infektionsrisiko. Eine Immunisierung durch eine Schutzimpfung kann das Risiko einer FSME mindern.

In manchen Regionen kommt das FSME-Virus endemisch vor, das heißt andauernd in ganz Österreich verbreitet. Weitere Endemiegebiete finden sich in  Deutschland, Tschechien, der Slowakei, Slowenien, Polen, Russland und dem Baltikum. In diesen Gebieten tritt die Erkrankung auf - vor allem von März bis November, mit einem Gipfel von Juli bis September.
 

Wie äußert sich die Erkrankung?

Experten schätzen, dass bei drei Viertel der FSME-Infektionen gar keine Symptome auftreten. Bei den verbleibenden Fällen kann es zu einem charakteristischen zweiphasigen Verlauf kommen. Es kann allerdings auch eines der beiden Stadien fehlen.

Die Inkubationszeit - also die Zeit zwischen Zeckenstich und Ausbruch der Krankheit - beträgt eine Woche bis etwa drei Wochen. Danach kommt es zu Fieber mit grippeartigen Beschwerden wie Kopf- und Muskelschmerzen, allgemeiner Abgeschlagenheit, Atemwegsbeschwerden, Bauchschmerzen oder Durchfall. Bei etwa zwei Drittel der Patienten mit symptomatischem Verlauf endet die Erkrankung mit dem Rückgang des Fiebers in diesem Stadium.

Die restlichen Patienten entwickeln jedoch - meist nach einer fieberfreien Periode von sechs bis zehn Tagen - neurologische Symptome. In Einzelfällen geht das erste Stadium aber auch direkt in eine zweite Erkrankungsphase über.

In Phase zwei kommt es zur:

  • Hirnhautentzündung (Meningitis)
  • Hirnentzündung (Meningoenzephalitis) oder
  • Entzündung des Hirn- und Rückenmarkgewebes (Meningoenzephalomyelitis, -radikulitis)

Diese Erkrankungen können sich in starken Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Verwirrtheit und Bewusstseinsstörungen äußern. Weiters kann es zu Gangstörungen, Krampfanfällen, Lähmungen und Atmungsstörungen kommen. Ein Großteil der Betroffenen erholt sich wieder vollständig, zehn bis 29 Prozent der Patienten mit Meningoenzephalitis beziehungsweise Meningoenzephalomyelitis haben über lange Zeiträume Lähmungserscheinungen, Schwerhörigkeit, verringerter Leistungsfähigkeit, depressiven Verstimmungen oder anderen Beeinträchtigungen. Bei Kindern ist die Erkrankung im Allgemeinen weniger schwer ausgeprägt.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Nur etwa die Hälfte der Betroffenen bemerkt, dass sie von einer Zecke gestochen wurden. Daher ist eine sichere Diagnose ist daher nur unter Zuhilfenahme labordiagnose  möglich. Diese dient vor allem zur Abgrenzung gegenüber anderen Infektionskrankheiten mit ähnlichen Beschwerden.

Die Methode der Wahl zur Sicherung der Diagnose ist der Nachweis FSME-spezifischer IgM- und IgG-Antikörper (Immunglobuline) im Serum des Patienten, die bei Einsetzen der neurologischen Symptomatik immer vorhanden sind.

Wie wird die Erkrankung behandelt?

Da es keine spezielle Behandlung der FSME gibt, ist es für Personen, die in Risikogebieten leben, ratsam, sich vorbeugend impfen zu lassen. Dies gilt gleichermaßen für Menschen, die in solche Gebiete reisen.

Wie läuft die FSME-Impfung ab?

Die Immunisierung gegen die Frühsommer-Meningoenzephalitis besteht aus drei Teilimpfungen. Dabei wird ein Impfstoff, der inaktivierte Viren enthält, in die Muskulatur des Oberarms (Musculus deltoideus) injiziert. Nach vollständiger Grundimmunisierung besteht bei 99 Prozent der Geimpften ein vollständiger Schutz vor FSME. Auch nur zwei Impfungen im regulären Abstand schützen schon zu 90 Prozent, für ungefähr ein Jahr. Die in Österreich verfügbaren FSME-Impfstoffe sind laut den Empfehlungen des Nationalen Impfgremiums im Gesundheitsministeriums gleichwertig und bieten Schutz vor allen bekannten Subtypen des FSME-Virus.